Ich finde ja, dass hängt grundsätzlich von der Straftat ab, in welchem Bereich Vorstrafen ein Problem darstellen, und nicht jede Vorstrafe sollte sämtliche Zukunftsaussichten ruinieren.
Abgesehen davon, dass ich von Althaus als Politiker an sich nichts halte, würde ich in seiner Verurteilung bei einem Fehlverhalten auf einer Skipiste keinen Grund dafür sehen, dass er sich von seinem Amt zurückziehen sollte.
Spannend finde ich in dem Artikel von Schmidt und Tomik aber vor allem die angeführten Beispiele, in denen vorbestrafte Politiker weiter Karriere machten.
1. Matthias Wissmann (CDU): 1989 verurteilt wegen steuerrechtswidriger Wahlkampffinanzierung, Strafzahlung 10.800 Mark (etwa 5500 Euro). 1993 wurde er Bundesforschungsminister und kurz danach Bundesverkehrsminister bis 1998. Inzwischen ist der Mann Präsident des Verbandes der Automobilindustrie. Die Strafzahlung dürfte er inzwischen finanziell wieder gut ausgeglichen haben, er ist ja sozusagen der Inbegriff des deutschen Lobby-Politikers. Moralisch alles höchst fragwürdig, aber zumindest bekommt er inzwischen keine Zahlungen mehr durchs Hintertürchen, er ist ganz offiziell eine Marionette der Industrie. Also sozusagen ein ehrliches Ekel. ;-)
2. Otto Graf Lambsdorff (FDP): 1987 verurteilt wegen Steuerhinterziehung zu 180.000 Mark (etwa 92.000 Euro) Geldstrafe. Ein Jahr später wurde er FDP-Bundesvorsitzender. In der FDP gilt das vermutlich als Kompetenzbeleg in Sachen Wirtschaft, wenn man daran arbeitet, Steuern zu hinterziehen. Da ist er ja in guter Gesellschaft. Wahrscheinlich hatte er mit Amtsantritt 1988 die Anweisung bekommen: Vorbildlicher Versuch, das nächste Mal aber nicht erwischen lassen... :-)
3. Otto Wiesheu (CSU): In der Reihe mein Favorit. Wurde "1985 nach einem Verkehrsunfall unter Alkoholeinfluss wegen fahrlässiger Tötung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und einer Geldstrafe von 20.000 Mark (etwa 10.200 Euro) verurteilt". Im Jahre 1990 wurde er dann Staatssekretär für Wissenschaft und Kunst und 1993 dann bayerischer Minister für Wirtschaft und Verkehr. Ich betone, Minister für Wirtschaft und Verkehr (!). Vor ein paar Wochen ist der Verkehrsminister von NRW zurückgetreten, da er zu schnell gefahren war und geblitzt wurde. Das war konsequent und ist lobenswert. Bei bestimmten Politkern ist schnell fahren aber durchaus erwünscht, wenn es zu den richtigen Ergebnissen führt: Siehe Jörg Haider. Schnell gefahren, zu weit nach "rechts" gekommen (in dem Zusammenhang schön doppeldeutig) und sich ohne fremde Opfer ins Jenseits verabschiedet. Auch vorbildlich. Mehr davon!
Aber besoffen fahren und dabei jemand töten, und später Minister für Verkehr werden, dass ist doch eine andere Dimension als die fahrlässige Tötung bei Herrn Althaus. Die CSU beeindruckt immer wieder neu...
Da fällt mir ein Dialog von Terry Pratchett ein, aus "Heiße Hüpfer":
"Der Premierminister ist im Gefängnis."
- "Wieso ist er im Gefängnis?"
"Wir sperren alle Politiker ein, sobald sie gewählt sind."
- "Warum das denn?"
"Das spart Zeit."
